Endgültige Deindustrialisierung und Neubeginn

1989 arbeiteten noch etwa 1.650 Menschen in der Spinnerei. Nach dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung wurde noch weiterproduziert, Anfang 1993 kam dann das endgültige Aus für die Garnproduktion, der Betrieb wurde «abgewickelt» und die Arbeiterinnen und Arbeiter entlassen. Im August 1993 wurde die Spinnerei von der Treuhand an einen westdeutschen Käufer abgegeben. Auf Reifenkord beschränkt lief die Produktion bis 2000, zum Schluss mit etwa 40 Beschäftigten. Ab den frühen 1990er Jahren begann unter der Leitung von Regina Lenk, der damaligen Verwalterin, eine völlig neue Phase der Geländenutzung. Die leerstehenden Räume wurden für alternative Projekte entdeckt, eine Sommerakademie fand statt, erste Künstler bezogen Ateliers, und allmählich wurden Architekturbüros, Werkstätten sowie Ausstellungsräume eingerichtet. 1998 kam eine Tangofabrik auf das Gelände und das Leipziger Schauspielhaus errichtete 1999 eine temporäre Spielstätte in der Spinnerei. Die Schicksalsgöttin Klotho hatte einen neuen Lebensfaden für das ehemals größte kontinentale Spinnereiensemble gesponnen, dessen Geschichte nach bereits 125 Jahren noch lange nicht am Ende zu sein scheint.