Tobias Buckel / Rasmus Nilausen / Jon Pilkington
10.01.2015
FORM IS WHAT HAPPENS
Kuratiert von Anna-Lena Werner Ausstellung: 10.1. - 28.2.2015   “Form is what happens. It’s the fact of things in the world, however they are.” ist ein eher unbekanntes Zitat des Poeten Robert Creeley. Er erweiterte damit seinen Grundsatz “Form is never more than an extension of content”, auf den sich sein Kollege Charles Olson 1950 im Manifest für den ‘Projective Verse’ als Prinzip einer Lyrik der offenen Form berufen hatte. Sie forderten eine Trennung der postmodernen Lyrik von ihrer statischen Tradition und beriefen sich auf abstrakte Tendenzen, die in der bildenden Kunst bereits begonnen hatten. Creeleys Aussage galt der Freiheit des künstlerischen Ausdrucks und seiner Vielfalt. Doch trotz ihrer Entkräftung bleibt die Form – sei es als Formlosigkeit – eine Bedingung jeglicher künstlerischen Produktion. Auch in der zeitgenössischen Malerei, der ebenfalls ein Formen-Diktat vorausgeht, stellt sich die Frage, was heute überhaupt als malerische Form verstanden werden kann und welche Parameter ihre Gegenstände bestimmen. Die Ausstellung ‘Form is What Happens’ stellt mit Tobias Buckel, Rasmus Nilausen und Jon Pilkington drei junge Künstler vor, deren Arbeiten trotz ihres unterschiedlichen Formen-Vokabulars jeweils das Form-Selbstverständnis der Malerei hinterfragen und sich gleichzeitig auf historische Referenzen des Mediums beziehen. Jede Arbeit erkundet das Verhältnis von Form und Inhalt: Gibt der Inhalt die Form vor oder ist es genau andersherum? Was kontrolliert den Akt der Komposition? Buckel, Nilausen und Pilkington untersuchen die Rolle des Motivs und oft führt sie dieser Prozess zur bildlichen Vereinfachung; zur Abstoßung des Gegenständlichen oder zu einer Vermischung von Form und Motiv. Weder Material noch Stil unterliegen einem durchgehenden, ästhetischen Schema: Während Pilkington und Buckel das Abwägen, den Fortschritt und das Scheitern in ihrer künstlerischen Praxis hervorheben, indem sie in ihren Arbeiten malerische Überlagerungen oder kaum erkennbare Ebenen im Hintergrund als Bestandteil des Bildes gelten lassen, sucht Nilausen vielmehr die Perfektion im vollendeten Bild und spürt dem Mythos der Kunstgeschichte und des Meisterwerks nach. Seine Palette ist vielfältig, die Formate oft klein. Bild- und Wort-Zitate der Popkultur und der akademischen Kunstwelt integriert er sowohl humorvoll, als auch kritisch in seine Arbeiten und führt sie oft in die Absurdität. Buckel arbeitet dagegen konzentriert abstrakt und lässt geometrisch flache und räumliche Bildflächen entstehen. Er nutzt die Reduktion als Mittel für Direktheit und Klarheit. Verspielte oder organische Elemente treten bei ihm nur selten auf und dienen dann als Kontrast zur bildlichen Strenge. Seine Arbeiten wechseln zwischen großen und kleinen Formaten, die Rahmen erscheinen als Erweiterung der Komposition. Die Reduktion ist auch für Pilkingtons Arbeiten von Bedeutung: Er balanciert sie mit Aussparungen von Formen und Bereichen aus, lässt das Material dagegen zum Teil in den Raum hineinwachsen und provoziert so eine Überschreitung des zweidimensionalen Motivs zu einem Wandobjekt. Er erforscht Oberflächen und nutzt kräftige Farben, um seine Kompositionen mit rauen Formen, Flecken oder Abnutzungsspuren zu füllen.   Jeder der drei Künstler hat am Chelsea College of Art and Design in London studiert. “Form Is What Happens” ist ihre erste gemeinsame Ausstellung. Tobias Buckel (*1978, Ansbach) hat als Meisterschüler sein Studium an der Kunstakademie Nürnberg bei Prof. Thomas Hartmann und am Chelsea College of Art and Design in London einen Master absolviert. Der DAAD Stipendiat hat seine Arbeiten unter anderem im Nürnberger Kunstverein, in der Chisenhale Gallery (London) und dem Kreuzbergpavillon Berlin ausgestellt. Er lebt und arbeitet in Nürnberg. tobias-buckel.de Rasmus Nilausen (*1980, Kopenhagen) hat seine Arbeiten unter anderem im "Fundació Antoni Tàpies (Barcelona)", der Chisenhale Gallery (London) und dem ICA Institute of Contemporary Art (London) ausgestellt. Er hat an der Universitat de Barcelona und am Chelsea College of Art and Design in London studiert, und ist Stipendiat des dänischen Statens Kunstfonds. Rasmus Nilausen lebt und arbeitet in Barcelona. rasmusnilausen.dk Jon Pilkington (*1990, Liverpool) hat an der University of Central Lancashire (UK) und dem Chelsea College of Art and Design in London studiert. Er ist AHRC Stipendiat und hat seine Arbeiten unter anderem in der Academy of Arts Szczecin (Polen), im Rogue Studio's Project Space (Manchester), bei Marcelle Joseph Projects (Ascot) und bei Winter Projects (London) ausgestellt. Er lebt und arbeitet in London. jonpilkington.co.uk