LURU KINO

Der französische Künstler Pierre Huyghe hat 2010 zu Halloween, zum Valentinstag und am 1. Mai im inzwischen aufgegebenen Musée des Arts et Traditions Populaires in Paris Performances aufgeführt und diese gefilmt. Das leere Museum wird zu einem Aquarium von seltsamen Gestalten, die zu den Regeln und mit den Referenzen des Konzeptkünstlers verschiedenste Szenen interpretieren: Zaubertricks, Schattenspiel, Michael-Jackson-Imitation oder eine von Techno-Knallern begleitete Modenschau zur Musik von Kate Bush. Der Film entsteht als eine automatische Performance, eine direkte Inzenierung von Gedanken. Die nachgestellten Prozesse gegen die französische Gruppe Action Directe und einen kriminellen Avatar-Hersteller sowie satanistische Opfer-Zeremonien lassen das Museum dabei zu einem Ort des Unbewussten werden und verweigern zunächst eine Gesamtanalyse. Durch einfachste theatralische Mittel wird aus einer Performance ein aufgeladenes, an das Genre des fantastischen und Science-Fiction Films grenzendes Werk.

Pierre Huyghe, 1962 in Frankreich geboren, studierte an der Ecole Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris. Huyghes Filme und Videoinstallationen beschäftigen sich immer wieder mit denm verschiedenen Realitätsebenen von Filmen, die zum Beispiel durch die Synchronisation oder durch die Veränderung des sozialen Kontextes sichtbar werden. So erfährt der Beobachter in Huyghes Dubbing den eigentlichen Film nur gespiegelt in den Untertiteln und den Reaktionen der gefilmten Zuschauer. Zuletzt baute er ganze skulpturale Environments, so auf der dOCUMENTA(13) 2012, oder dieses Jahr im Centre Pompidou und im Museum Ludwig, Köln.

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