Richtung Kunst - Großer Herbstrundgang der SpinnereiGalerien

-

Ausstellungen zum Rundgang in der Besprechung von Susanne Buhl:

ASPN – Arthur Zalewski „The Idiot“ (Fotografie / Installation / Film) (11. September – 09. Oktober 2010)

Wir sehen Fotos, Malerei, Installation. Das heißt: wo ist eigentlich die Installation? Sie liegt – wenn man nicht das Gesamtkonzept der Ausstellung als Installation begreift – draußen vor der Tür und besteht aus zwei riesigen Steinplatten, die von einem Parkplatz weiter hinten stammen.

‚Prozessuale Materialität’ könnte der Untertitel der Ausstellung sein, denn genau darum geht es dem Künstler Arthur Zalewski. Er verweigert konsequent tatsächliche Abbildung, Verortung, das ‚fertige’, abgeschlossene Kunstwerk sondern zeigt vielmehr konsequente Ausschnitthaftigkeit, die keine simple Zuordnung zulässt. „Unschärfe des zeitgenössischen urbanen Raumes“ und „Universalität des Ungenauen“ wird das im Ausstellungstext genannt... Die Fotos heißen „Skizze“ und tatsächlich versteht sich hier alles als Entwurf, Studie, Gedankenstütze. Eins ist jedenfalls sicher: Zalewski geht es um die Form nicht um den Inhalt. Hinein Schauen!

 

b2 – Stephanie Kiwitt (Fotografie) (11. September – 09. Oktober 2010)

Gibt es zuviel Alltag? Werden wir hintenrum von den uns umgebenden Alltagsbildern überrollt? Wo die meisten Künstler mit Entschleunigung ansetzen, stürmt Stephanie Kiwitt wildentschlossen mitten hinein. Es geht ihr jedoch keineswegs um ein Austreiben des Teufels mit dem Beelzebub, auch nicht um einen erhobenen Zeigefinger und doch legen die Arbeiten Kiwitts ihre Finger in die Wunde unserer Überfütterung, des uns durch seine permanente Allgegenwärtig zerreibenden medialen, materiellen und promotionalen "overkills". Die Fotografien selbst sind mehr als unprätentiös – fast unscheinbar. Ihre installationsartige Präsentation dafür mehr als mutwillig übertrieben, beinahe schon ein bisschen unheilvoll rabiat. Aushalten!

 

Columbus Art Foundation – „+6/2010 shortlist“ Masha Danzis, Franziska und Sophia Hoffmann, Jana Kiewit, Nahla Küsel, Daniel Müller, Gabriela Oberkofler (Malerei, Fotografie, Medienkunst, Film, Skulptur, Zeichnung, Collage) (11. September - 22. Oktober 2010)

Wieder einmal präsentiert die CAF zum Herbstrundgang die Shortlist der noch verbliebenen Positionen in der Auswahl zum Förderpreis aus ihrem ungewöhnlich aufwendigen Auswahlverfahren. Am Ende der Ausstellung wird noch einmal getagt und der oder die Förderpreisträger/In/nen ausgewählt. Ebenso verschieden wie die präsentierte Kunst – von Malerei bis Medienkunst, von Zeichnung bis Skulptur – ist deren Herkunft von den Hochschulen aus Stuttgart, München, Leipzig, Kassel, Dresden und Münster. Vorprüfen!

 

Dogenhaus Galerie – Beat Streuli (Fotografie) (11. September – 30. September 2010)

Ist es tatsächlich schon vier oder gar fünf Jahre her, dass uns Jochen Hempel Fotos und eine riesige Wallpaperwand Beat Streulis präsentierte?! Dem treuen Rundgangsbesucher scheint die Zeit viel kürzer, er fühlt sich zurückversetzt, erinnert: Menschen im urbanen Gewimmel aber doch so privat, wie auf keinem Familienalbumsbild, weil sie sich unbeobachtet wähnen und ihre Fassade unten geblieben ist.

Die Frage, was sich geändert hat, ist schnell beantwortet: Die Einzelabzüge sind hochformatig geworden, größer, noch vereinzelter in ihrem Porträtcharakter und die Wallpaper sind abstrakter, stimmungshafter, malerischer. Was auf den ersten Blick vor allem durch Präsenz, Perfektion und Präzision besticht, wird nach wenigen Minuten des Einlassens plötzlich ganz sanft und intim.

 

Filipp Rosbach Galerie – Matias Bechtold „Haus MÜM“ (Modelle) und Eamon O'Kane „Teilansicht“ (Malerei) (11. September – 23. Oktober 2010)

‚Kontext KunstKunst’ könnte die Ausstellung auch heißen aber beim Eintritt in die Galerie betört zunächst vor allem das Kalifornisch-warme Licht der angenehm unterhaltenden Architekturpuzzlemalereien von Eamon O’Kane. Hier werden Klassiker der Architekturmoderne ge-remixed. Eileen Gray trifft Corbusier, Mies van der Rohe Martin Gropius usw. Und im zweiten Raum fährt der junge irische Künstler in der Malerei mit dem fort, was er in der Architektur gekonnt vorführte. Hier trifft Tizian Jeff Koons, Holbein und Dürer Caspar David Friedrich. Die Pseudoporträts bestehen aus mehr oder minder bekannten Versatzstücken historischer und zeitgenössischer Kunst.

Im dritten Raum stehen die Modelle von Matias Bechtold, die auch auf Gesehenes, Vertrautes und Berühmtes wie Böcklins Toteninsel oder Breughels Turm zu Babel referieren. Das namengebende Haus Müm bildet in diesem Sinne eine Ausnahme und ist ein klassisch-modernes Keksschachtelhochhaus mit Einblickswohnungen. Das Material lieferte zum großen Teil Herr Müm, der Nachbar und Versorger von Herrn Bechthold. Schwelgen!

 

Galerie Johan Deumens – Annesas Appel, Aline Thomassen, Luuk Wilmering (Malerei / Druck / Collage / Zeichnung) (11. September 2010)

Schwungvoll begrüßen uns die großformatigen sinnlich-fleischigen Frauenbildnisse Aline Thomassens in der ersten Schau des Niederländers Johan Deumens. Neben seiner Galerie in Haarlem wird er nun für ein Jahr hier in Leipzig vor allem seinen Schwerpunkt Konzeptkunst präsentieren. Wer sich jetzt wundert, der muss die kleine Wackeltreppe hinaufsteigen und wird in eine gänzlich andere Kunstwelt katapultiert: Luuk Wilmering führt uns seinen sehr interessanten Blick auf große internationale Tageszeitungen vor und Annesas Appel einzelne Exempel ihres aus 208 gesammelten Farbworten wie Olive, Tomate, Orange eigenentwickelten Farbtafeln. Einfach genial!

 

Galerie EIGEN + ART – Birgit Brenner „Eines Tages wird es soweit sein“ (Installation) (11. September – 18. Dezember 2010)

Die riesige Wandcollage von Birgit Brenner kommt im ersten Moment mit den augenfälligen Hinweisen „BANK OWNED“ und „Das Haus soll die Bank nicht bekommen“ ein bisschen plakativ als Kunstwerk zur Weltwirtschaftskrise daher. Aber beim Hineingehen ins Kunstwerk loten der kleinbuchstabige Text und die rückwärtige Ansammlung von technisch-eigengesetzlichen Wellpappbildern die ganze Bandbreite einer zutiefst menschlichen Individualtragödie heraus. Malerei, Zeichnung, Collage, Installation und Textversatzstücke beengten Alltags steigern sich diesmal zu einem kaum aushaltbaren Stakkato. Der materielle oder gar weltwirtschaftliche Kontext tritt devot zurück hinter dem gigantischen Ausmaß des persönlichen Leidensabgrunds. Absolut beeindruckend!!!

 

Galerie Kleindienst – Florian Rossmanith „Recycled Material“ (Fotografie / Collage) (11. September – 16. Oktober 2010)

Der 1978 in Berlin geborene Florian Rossmanith sagt selbst über seine Arbeit als Künstler: „Die Repräsentation von Welt empfinde ich als problematisch, wenn auch notwendig. Im Wesentlichen geht es mir um die Herstellung von Differenzen.“ Die kleinen, lediglich familienalbumsgroßen Fotocollagen zwingen den Betrachter zu Nähe und Grübelei. Was ist gemeint mit diesen aufeinander gestapelten, ausgeschnittenen, überblendeten Absperrungen, Schutthaufen, Himmelsaussichten? Die verschränkte Übereinanderschichtung inhaltsdifferenter Bilder ergibt formal doch oft eine stimmige Gesamtkomposition. Nach dem Rundgang noch einmal in Ruhe und mit Platz wiederkommen!

 

Halle 14 – „An das Gerät“ Mark Bain (US), Barking Dogs Untited (GR/DE), Roddy Bell (NO), Ensemble für intuitive Musik (DE), Klaus Hähner-Springmühl (DE), Ingrid Hora (IT), Kim Jones (US), Björn Jung (DE), Deborah Kelly (AU), Paul Etienne Lincoln (US), David Link (DE), Liisa Lounila (FI), Tea Mäkipää (FI), Maywa Denki (JP), Heike Mutter & Ulrich Genth (DE), Annette & Steffen Schäffler (DE), Gebhard Sengmüller (AT), Claude Shannon (US), Stelarc (AU), Oscar G. Torres (US), Halldór Úlfarsson (IS), Morten Viskum (NO), Jim Whiting (DE), Krzysztof Wodiczko (US), Zafos Xagoraris (GR) (01. Mai – 26. September 2010)

In der Halle 14 ist immer noch die Ausstellung vom Frühjahrsrundgang zu sehen, was nicht heißen soll, dass man da nicht vorbeigehen sollte. Ein zweiter Blick eröffnet fast immer eine ganz neue Dimension. Vor allem bei den neugierig-philosophisch und lustig-unterhaltsam gestellten Fragen dieser Ausstellung:

Wie entsteht Kunst? Was benutzt der Künstler/die Künstlerin um Kunst ‚herzustellen’? Wieviel Arbeit steckt in einem Kunstwerk? Die Ausstellung „An das Gerät“ begibt sich zurück zur Entstehung von Kunst – um genauer zu sein sogar ein bisschen vor diesen Punkt. Dass es dabei nicht vornehmlich um die klassisch bemalte Leinwand gehen soll, versteht sich fast von selbst. Gezeigt wird die Schnittstelle zwischen Kunst und Erfindertum. Überall blinkt und klingt es. Die aufwendige Bastelarbeit zu einem Puppentrickfilm („Der Perrückenmacher“, London 1999) oder seltsamen Geräte zum Denkverstärken („Thinking booster“), Lusttanken („Lust-Station“) und viele andere mehr laden zum näheren Herantreten, Anfassen, Ausprobieren und Erleben ein.

 

Laden fuer Nichts – Meisterschüler des Goldsmiths-College London „To Look is to Labour“ mit Johann Arens, Tom Crawfor, Frauke Dannert, Ross Downes, Rowena Harris, Matthew McQuillan, Liam Murtaugh, Laure Prouvost, Alicija Rogalska (Zeichnung / Malerei / Installation / Konzeptkunst) (11. September – 23. Oktober 2010)

Uwe-Karsten Günter überrascht schon durch seine Wahl. Er zeigt niemanden von der Hochschule, niemanden von hier – sondern aus London sind die vielen Künstler, die bei ihm ausstellen. Verbunden nur durch die frühere Zusammengehörigkeit an eine Schule – aha, ist das die Parallelität, das Programm?! Das Netzwerk soll sich weiten, die Galerie ein eigenes Programmprofil entwickeln, so der fromme Wunsch. Ob es so gelingt, wird sich wohl erst noch zeigen müssen. Abwarten!

 

LIA – Internationale Stipendiaten: Kylie Manning, Lada Nakonechna, Nikita Kadan, Leo Kogan, Osvaldo Budet, Anna Hontje (Zeichnung / Malerei / Installation / Konzeptkunst / Performance Art) (11. und 12. September 2010)

Die Schau des Leipzig International Art Programm zeigt etwas verwirrend eine bunte Mischung von einem bisschen Alles: sinnrauschhaft-fleischige Malerei (Kylie Manning, Alaska -> New York -> Berlin), politisch motivierte ZeichnungsRaumInstallation (Lada Nkonechna, Kiew – Ukraine), geometrisch-abstrakte Malereien (Nikita Kadan, Kiew – Ukraine), ironisch-polemischer Filmstill aus einer „Mockumentary“ (Osvaldo Budet, Puerto Rico -> USA -> Berlin + Leipzig), vermischt-installatives Gesamtkunstwerk mit comicschriller Malerei (Leo Kogan, Moldova -> New York -> Amsterdam) und asymbolisch-hermeneutische Fotografie (Anna Hoetje, Amsterdam u.a.). Nicht verwirren lassen!

 

Maerzgalerie – Aris Kalaizis und Ilkka Halso „Parallelwelten“ (Malerei / Fotografie) (11. September – 13. November 2010)

Die natürliche Umgebung ist da und dann kommt der Künstler... Sowohl Aris Kalaizis als auch Ilkka Halso arbeiten mit perfektionistischen Inszenierungen ihrer Kunst bevor ihre Werke entstehen. Beide nutzen dazu die Natur oder den genutzten Raum des Ateliers, um in diesen Raum hinein eine theatrale Szenerie und deren entsprechende Ausleuchtung im wahrsten Sinne des Wortes ‚einzubauen’. Für beide ist bereits diese Vorbereitung aktives Kunstschaffen. Ausgehend von Idee und Ort entstehen so räumlich, personell und lichttechnisch bis ins kleinste Detail durchkomponierte Gemälde bzw. Fotografien, die auf eigenen und doch gemeinsamen Wegen Paralellrealitäten erschaffen, die doch mehr als das sind. Allein die farbliche Komposition der Hängung ist einen Besuch bei Torsten Reiter wert. Vorhang auf!

 

Spinnerei archiv massiv – Friederike Jokisch „Delta“ (Malerei) (11. September – 30. Oktober 2010) und „bildarchive 12“ Fotos der Kreativen Spinner (HALLE 14 e.V.) (Fotografie) (11. September 2010 – 08. Januar 2011)

Menschen spielen in den Bildern von Friederike Jokisch bislang keine Rolle. Ihre großen und kleinen Landschaftsbilder kommen ohne Zivilisatoren und weitestgehend (Ausnahmen bestätigen die Regel) sogar ohne Spuren von Zivilisation aus. Sie zeigen weite Landschaften mit starkem Sog. Teilweise Überblendung von Ebenen, teilweise aber auch eindimensionale vermeintliche Abbilder. Mal freundlich hell und offen, mal düster dunkel und hermeneutisch. Mal Pastell, mal Öl-Pastell, mal Öl wird das Material immer zu Weichheit und Präzision gezwungen. Landschaften zum Träumen und Fürchten. Seelenlandschaften! Vielleicht nicht ganz im klassischen, kunsthistorischen Sinne – dafür sind sie viel zu frei im Ausdruck aber doch auf jeden Fall im eigentlichen Wortsinn, denn sie führen uns nach innen.

Nebenan zeigen die Kreativen Spinner der Halle 14 e.V. überraschend schöpferisch-kunstfertige kleinformatige Schwarzweiß-Fotografien der Spinnerei und ihrer Menschen. Schauen + Träumen!

 

Universal Cube – „Construct – Constructed / Selbstgemacht – Hausgemacht - Fremdgemacht“ Barbara Antal, Oscar Ardila, Naomi Hennig, Istvan Ist Huzjan, Jovana Komnenic, Marthe Krüger, Dejan Markovic, Jelena Martinovic, Silvia Marzal, Persefoni Myrtsou, André J. Raatzsch, Katja Sudec, Can Sungu, Anita Surkic (Malerei / Collage / Fotografie / Installation / Medienkunst / Skulptur / Zeichnung) (11. – 20. September 2010)

„An erster Stelle sprechen wir über das Subjekt, das sich mit der Konstruktion des Individuums in der Gesellschaft beschäftigt und mit demselben Individuum, das sich dabei selbst konstruiert.“ Sagt Katja Sudic stellvertretend für alle 5 Künstlerinnen. Klingt erst einmal wahnsinnig verschraubt und konstruiert, wird aber beim Ausstellungsbesuch griffig und offenbar. Bestimmen Herkunft, Geschlecht, Religionszugehörigkeit, Nationalität und Klassenzugehörigkeiten vor allem das Selbstbild oder das Fremdbild oder beide?!  Diese Kunst fragt nach dem eigenen Standort. Was am meisten überrascht, ist, dass die Künstlerinnen weder sich noch ihre so erstaunlich homogen daherkommenden Werke vorab kannten. Spaß!

 

Sonderausstellung in der Werkschauhalle – „NIGHT OF THE  PAWN Duchamp und seine Erben / 40 Berliner Künstler und die Schacharithmetik“ Christian Achenbach, Ruprecht von Kaufmann, Fabian Fobbe, Alex Tennigkeit, Björn Melhus, Norbert Bisky, Birgit Dieker, Armin Boehm, Tjorg Douglas Beer, Matthias Bitzer, Pablo Botarelli, Gama, Adrian Buschmann, Beza, Hannah Dougherty, Uros Djurovic, Gerrit Engel, Philip Grözinger, Gregor Hildebrandt, Sandra Meisel, Jonas Burgert, Uwe Henneken, Stefan Hirsig, John Isaac, Michelle Jerzierski, Henry Kleine, Stefan Rink, Moritz Schleime, Clemens Krauss, Robert Lucander, Jonathan Meese, Michel Witz, Herbert Volkmann, Henry Woller, Sebastian Schlicher, Lea Pagenkemper, Sebastian Schrader, Norbert Schwontkowski (Malerei / Fotografie / Installation / Film / Skulptur / Zeichnung / Collage) (11. September – 09. Oktober 2010)

Für alle Duchamp-Liebhaber ist die Halle 12 ein absolutes Muss und der unbestrittene Höhepunkt des Herbstrundgangs. Aber auch für diejenigen, die keine besondere Beziehung zum größten Kunstrevolutionär und Künstlerphilosophen des frühen 20. Jh. haben, ist die Schau in der ‚tiefergelegten’ Halle sicher ein besonderes Schach-Kunst-Erlebnis. Denn frei nach Duchamp ist jeder Schachspieler per se ein Künstler (auch wenn nicht alle Künstler Schachspieler sind) und Mitschachen ist durchaus erwünscht.

Man kann eigentlich sagen: ENDLICH kommt NOTP mal nach Leipzig, denn die Ausstellung wird auch bei uns mit einem schacharithmetischen Event beginnen – für das die Werkschauhalle mit ihrer grundlogischen Bau-Schach-Struktur wie geschaffen ist! – und dass sich elementar aus seiner Geschichte erklärt: In einer Winternacht des Februars 2008 lud der Berliner Rechtsanwalt und Kunstliebhaber Jan-Phillip Sexauer das erste Mal zu einem Schachturnier in die Räume der Berliner Galerie Wohnmaschine. Es ging dabei nicht besonders theoretisch zu, denn schon das einladende Plakat von Philip Grözinger zeigte neben Schach auch eine Weinflasche und der gezeigte Spieler kam als dreister Bube (als Bauer => engl.: pawn) daher. In der Realität findet NOTP in Berlin alle vier Wochen statt. Dabei wird in einem Club mit viel Bier und Rauch, mit Musik und Improvisation, mit viel Whiskey und Wein acht Runden lang an acht Brettern mit sechzehn Spielern dem königlichen Spiel gehuldigt und danach gemeinsam gefeiert. Jedes Mal laden künstlerisch gestaltete Plakate ein (www.pawn-night.de)

Die Halle 12 besteht in ihre Aufteilung durch die tragenden Säulen aus 8 Feldern, woran sich im rechten Teil vier kleinere abgeschlossene Räume anschließen. Beim Schachbrett sind es acht auf acht Felder. So hat sich aus der Zahlenarithmetik des Baus die Gestaltung von Ausstellung und Event sozusagen von selbst ergeben: in den vier rechten Raumkapseln treten jeweils zwei Künstler mit je vier eigenen Arbeiten ‚gegeneinander’ an, woraus zweiunddreißig Arbeiten resultieren, die an die zweiunddreißig Figuren auf dem Brett erinnern. In den acht Feldern links in der Halle treten acht Berliner Künstler gegen acht Leipziger Künstler beim Schachturnier an, wobei jeder Spieler acht Minuten pro Spiel hat, was einige Rasanz verspricht. Gerahmt wird dieses achtfache Duell von einer großen Bilderwand mit zweiunddreißig Arbeiten ebenso vieler Künstler. Insgesamt vierundsechzig (acht mal acht) gezeigte Arbeiten also von vierzig Künstlern – ein gewaltiges Angebot in einem absolut perfekten Rahmen!

Die Turniertische werden übrigens über den gesamten Zeitraum der Ausstellung in der Werkschauhalle verbleiben, wodurch auch der Besucher zum Schach-Künstler eingeladen ist.

Zurück