One-sided Story
Candace Goodrich
Spinnereistraße 7 / Halle 14 / 2. OG
04179 Leipzig
00 49 (0) 173 - 145 7662
Candace Goodrich
Spinnereistraße 7 / Halle 14 / 2. OG
04179 Leipzig
00 49 (0) 173 - 145 7662
“One-sided Story” ist ein einzigartiges, neues Stipendiatenprojekt in der ehemaligen Leipziger Baumwollspinnerei, www.spinnerei.de, unter der Patenschaft der internationalen Non-Profit-Organisation Halle 14.
Das Projekt will aufstrebende und fortgeschrittene Künstler vornehmlich der Croatian Association of Artists, www.hdlu.hr, und der Alumni Association of the New York Academy of Art, www.nyaa.edu, sowie zusätzliche internationale Gast-Künstler zusammenbringen. Das themen- und ausstellungsorientierte Stipendiatenprogramm befindet sich in einem 243 Quadratmeter großem Atelier in Halle 14. Zu jedem Zeitpunkt sind sechs Künstler eingeladen am gleichen Ort für zwei bis fünf Monate zu arbeiten, sich auszutauschen und zu kooperieren. Das Thema, “One-sided story”, kann dabei von den teilnehmenden Künstlern frei interpretiert werden.
Ziel des Programms ist es den gemeinsamen Austausch und Diskussionen in einem Studio-Umfeld anzuregen und zu einem visuellen Zusammenhalt und konzeptuellen Dynamismus innerhalb der kuratierten Ausstellungen zu gelangen. Das Projekt findet nur für ein Jahr statt und beginnt am 28. April im Rahmen des Frühlings-Rundgangs. Die ersten fünf Künstler werden an diesem Wochenende der Leipziger Öffentlichkeit und Kunstszene vorgestellt und beginnen ihren Aufenthalt am ersten Mai. Alle Künstler werden ihre im Rahmen des Projektes entstandenen Werke während des Spinnerei Rundgangs ausstellen. Dieser findet jedes Jahr drei Mal statt, im Frühling, Herbst und Winter, spinnereigalerien.de/rundgang. Die Künstler sollen außerdem von konstruktiver Kritik anderer Leipziger Künstler, Galeristen, Kuratoren und Professoren profitieren. Im Rahmen des Projektes entstandene Arbeiten sollen nach Abschluss in einer Publikation veröffentlich werden und ausgewählte Werke werden im Rahmen einer Museumsausstellung im Meštrovićev paviljon in Zagreb, Kroatien gezeigt. Zusätzlich zu den ausgewählten Arbeiten werden auch drei Leipziger Maler, drei Leipziger Videokünstler und drei Leipziger Photographen ausgestellt.
Das Leitthema von “One-sided story” ist das Wechseln und Eröffnen von Perspektiven, das Auffinden von unangenehmen Wahrheiten und das Bewusstwerden der Peripherie. Der Philosoph und Humanist John Stuart Mill war der Auffassung, dass es zum wahren Verständnis eines Sachverhalts nötig sei, die Argumente beider Seiten gleichsam wohl zu verstehen. Zu jeder Geschichte gehören vor allem in unserer globalisierten Welt zwei oder mehr Seiten und dennoch beachten wir oft nur eine von diesen, die unsere. Jede Lebenserfahrung birgt unendliche Wahrheiten, aber welche von ihnen hat mehr Gültigkeit, die gewöhnliche oder die scheinbar empörende? Und ist es nicht der Zeitpunkt, zu dem wir einer Idee gewahr werden, der ihre Bedeutung einfärbt oder erst ans Tageslicht bringt, der sie erkennbar oder unverfänglich macht, der sie nur in diesem Moment wirksam und im nächsten unvorstellbar macht? Die menschliche Historie verläuft nicht geradlinig, sondern ist eine sich ständig verändernde und bewegende Geschichte, in der, bei Zeiten, neue Erzählungen die älteren diskreditieren. Mill schreibt: “Wenn die ganze Menschheit bis auf einen Einzelnen, einer Meinung wäre und nur diese eine Person eine gegensätzliche Position vertreten würde, so wäre das Recht der Mehrheit diesen Einzelnen zum Schweigen zu bringen nicht größer, als das Recht des Einzelnen, sofern dies in seiner Macht stünde, die Mehrheit zum Schweigen zu bringen.” Es geht also um die Bedeutung der zahlenmäßige Überlegenheit der Menge gegenüber dem Individuum, ist diese zufällig, irrelevant oder entscheidend? Medien, Regierungen, Staten und Individuen beachten häufig nur jene Seite der Geschichte, die für ihre Absichten am vorteilhaftesten ist, vertreten oft nur diese ein Perspektive und schränken so ihren Blick auf die Welt ein. Es liegt im Wesen von Stipendiatenprogrammen, die auf eine starke Gruppendynamik setzen, dass es nicht nur um die Zeit geht, in der man sich der eigenen Kunst widmet, sondern auch und vielleicht am wichtigsten um das Wissen, das man von anderen Künstlern und dem Ort, an dem man schaffend ist, gewinnt. Auch wenn es keinen direkten Austausch mit jemandem gibt, so hinterlässt doch schon die Tatsache, dass man am gleichen Ort schaffend tätig ist, bewusst oder unbewusst Spuren im eigenen Werk. Bringt man so verschiedene Mentaliäten, wie die in hohem Maße konzeptuell geprägte Kunstphilosophie der Kroaten und den wissenschaftlichen Ansatz der Amerikaner zusammen, dann vereint man in Wahrheit zwei Seiten derselben Geschichte an einem Ort.